Follonica - Elba und retour

Elba ist unter Seekajakern ja ein wunderbarer Standard-Tipp für eine schöne Inselumrundung. Gesehen haben wir dort aber keinen anderen. Vielleicht haben die ja alle einen besseren Wetterbericht. Soweit schon mal als Aufhänger für diesen kleinen Reisebericht.
 
Samstag  - Anreise  

 

Elba ist unter Seekajakern ja ein wunderbarer Standard-Tipp für eine schöne Inselumrundung. Gesehen haben wir keinen anderen. Vielleicht haben die ja alle einen besseren Wetterbericht. Soweit schon mal als Aufhänger für diesen kleinen Reisebericht.

Am ersten Tag sind wir gemütlich zu einem schönen Zeltplatz nach Follonica gefahren, etwa 11 km östlich von Follonica. Pappasole heißt der und ist echt gut, das Restaurant auch. Nicht nur die Touristen gehen dort hin sondern auch die Einheimischen zuhauf, da kann man sich richtig wohl fühlen. Die netten Mädels von der Platzverwaltung machen es einem auch leicht, lediglich das Leitungswasser schmeckt eher nach Hallenbad, als nach Quellwasser. Und wesentlich für einen gelungene Gepäcktour: wir konnten unser Auto auch eine Woche auf dem Platz stehen lassen.
 

Sonntag - Follonica - Cavo  

 

Der Zeltplatz Pappasole liegt echt genial: Am nächsten Tag sind wir dann unsere jeweils 20 500 ml Hopfenblüten-MüsliRiegel im Boot verstaut und sind vom nur 200 m entfernten, leicht erreichbaren, wunderschönen Sandstrand Richtung Elba aufgebrochen. Das war schon einer der besseren Starts!

Mit Windstärke 3-4 genau von der Seite haben wir dann erstmal Kurs über die Bucht Richtung Hafen von Piombino genommen. Von der kurzen und steilen Windsee ordentlich nass habe wir uns dann entschieden, in Anbetracht des dichten Schiffsverkehrs am Hafen, nicht den kürzesten Weg zu nehmen, sondern erstmal direkt nach Cerboli zu halten. Die Sonne stand schön und wir hatten immerhin den Vorteil, dass die fiese Windsee stevengerecht ankam, war halt Gegenwind. Beppo wurde bereits am Anfang der Überfahrt immer stiller, sein Hals auch immer dicker. Eine traumhafte 20m-Yacht kreuzt nah unseren Kurs und er winkte nur verkrampft. Hatte er Schmerzen? Wird er krank? Als wir im Windschatten von Cerboli endlich auf großen Quadern anlanden konnten, bestätigten sich die Befürchtungen nicht nur, nein, er musst vielmehr derartig dringend sch..ßen, dass er das Boot springen verließ und verschwand. Ich sicherte derweil unser Material und die Landestelle.

   
Palmaiola und Cerboli

Cerboli

Es war Sonntag, schönes, wenn auch windiges Wetter, die Motoryachtbesitzer waren wieder mal erstaunt, wenn da zwei aus dem Nichts auftauchen. Nach ein paar gepflegten Halben haben wir uns dann auf den Weg zur nächsten Insel Palmaiola gemacht, auch hier wunderbare Landschaft, dümpelnde Motoryachten, kein Müll, kein nichts,……. nach dieser weiteren kleinen Pause sind wir dann gegen den gleich bleibenden Wind die restlichen 4 km nach Cavo hinübergerutscht.

Blick von Cerboli auf die kurze Strecke nach Palmaiola

Zeltplatz? Genau, hier sollte es ja einen geben: wir haben dann nach einer viertel Stunde Marsch, alten verrosteten Schildern folgend, einen gefunden, idyllisch gelegen, aber es war keiner da, irgendwie war niemand da: lauwarme Dusche, schöne Waschgelegenheit, der Platz beleuchtet und echt auch gepflegt, ein Wohnmobil, sonst nichts. Komisch. Nach dem Abendessen sind wir dann gemütlich zum nächtlichen Platz zurück, als dann beim Abendbier ein Fiat Punto flott vorfuhr, ein knackiger Typ ausstieg, der sicher in jeder Gemeinde als Bezirksbefruchter durchginge, und sich dann mit seinem sehr netten, zuvorkommenden riesen Hund vorstellte: "Carabinieri has told me ssat you are here. I am sse master of ssiss camping, you stay here and have to pay ten euros."

Okay, okay, allein die körperliche Präsenz des netten Herrn mit seinem netten Schoßhund hat das Lockermachen des Zehners begründet. Wenn es sich lohnt, zahlen wir ja gerne. Nachdem er uns noch Haschisch, Marihuana und sonstigen Mist angeboten hat ist er wieder abgefahren. Naja

Wo das Klo war wussten wir zwar immer noch nicht, ist letztlich auch hygienisch in die Pampa zu scheißen, aber wir haben unser Schutzgeld bezahlt.


Camping Cavo

Montag - Cavo - Biodola

 

 

Für den nächsten Tag war dann 1,3 Meter See und S-Wind 4-5 bei Böen 6 vorhergesagt. Unser Ziel war Biodola. Nachdem wir 'rausgefahren sind, hat sich die Sache noch ganz manierlich zugetragen. Die Sonne hat geschienen, ums Kap herum hat es, bei gefühlter Windstärke 3-4, kräftig gekappelt. Wir sind dann auf die Bucht vor Portoferraio und dann ging es richtig los. Wellen und 5-er Wind schlugen uns kräftig entgegen. Hier hab ich mir so richtig ein kleines Blatt gewünscht, immerhin fahren wir ja mit der einzig richtigen 83°-Schränkung, trotzdem zerrt der Wind gewaltig am Löffel. Der Wind hat an dieser Stelle ja nur etwa 10 km Kilometer Fetch, umso steiler ist die See. Obwohl unsere Boote schwer beladen waren, ist das Vorderschiff sehr häufig tief runtergeknallt. Hier hat der Prijon Kodiak gegen meinen deutlich schlankeren Barracuda in keiner Weise nachgestanden. Der Barracuda geht zwar gnadenlos spurtreu durch, aber eben auch "durch" und verliert dadurch auch etwas seinen Schnelligkeitsvorsprung. Mit vollem Gepäck war das Fahren mit dem Kodiak angenehmer, das Volumen macht's.

In jedem Fall waren wir insgeheim dankbar für das Jahre lange Training, dass wir genießen durften. Hier war letztlich Schluss mit "Blubberlutsch" - wenn der Sprit ausbliebe, treibt es Dich 'raus aufs offene Meer.


"unterhalb" Portoferraio im Windschatten

Bucht von Portoferraio Ri WNW

Die Insel hat hier bei Portoferraio für Südwinde offenbar auch eine Düsenwirkung, flach, wenig Land, aber links und rechts Berge - die perfekte Düse, zu unserem Leidwesen. Als wir dann im Windschatten der weißen Felsen von der Stadt waren:
... Ruhe, Badewetter, und eine lohnende Pause, die war auch sehr nötig! Ein lockeres Paddeln war bis dahin nicht möglich und unsere effektive Reschwindigkeit möchte ich gar nicht wissen.

Mit dem gleichen Wind, nun von der Seite, leicht achtern, sind wir dann ums Capo Enfola herum Richtung Süden nach Biodola gefahren. - und wieder…. Im offenen Kanadier ohne Schwimmweste an der Steilküste, Männlein und Weiblein, sollten wir ihnen sagen, dass sie sich in akuter Gefahr befinden? Ein 5er ablandiger Wind, der 300 Meter weiter voll ins Wasser greift. Na ja.,,,,, - zwei Wochen später sind beispielsweise auf dem Lago die Bolsena (nur ein Binnensee ! ?) Vater und Kinder wegen Leichtsinn bei geringerem Wind nicht zurückgekehrt. Die Paddler geben halt nie die großen Schlagzeilen ab.

Dienstag - Landgang  

 

Unser Zeltplatz liegt wunderschön am Hang, nur dass der Eingang oben an der Straße ist: - also 50 Höhenmeter die 70 kg hinaufziehen und zum Stellplatz hinunter schieben…. Nach gefahrenen knapp 30 km, gefühlten 50, war das der richtige Abschluss, wobei das Laufen schon immer ganz gut tut. Gaststätte, alles tipptopp. War auch gut so: am nächsten Tag sollte es 6-7 Bf geben mit entsprechenden Wellen: Landgangwetter. Wir machten eine sehr schöne Wanderung in ein Naturschutzgebiet - Capo Enfola - hier konnten wir unser Herkommen betrachten, genauso wie die geplante Weiterfahrt.

Ja ja, die Weiterfahrt: der Wetterbericht zeigte ganz klar auf instabiles Wetter. Nach den Voraussetzungen riskierten wir wiederum noch vielleicht zwei Tage festzusitzen, dies hätte unseren Zeitplan überschritten. Kraft hätten wir, die Vernunft hat uns aber klar übermannt: wir kehrten um und sind wieder Richtung Ostküste gestartet.
 


Blick vom Camping Biodola
Mittwoch - Biodola - Rio Marina - Bucht  

 

Bei wunderschönem Wetter, wiederum straffer Wind, sind wir über die Bucht gefahren und haben Kurs auf Rio Marina genommen: hier sollte nach Zeltplatzführer ein Zeltplatz sein, außerdem ist es ein guter Punkt, um auf direktem Weg nach Follonica zurückzufahren. … nur, der Zeltplatz hat offenbar seit ein paar Jahren bereits geschlossen. Also die 8 km wieder zurück nach Cavo.

Aber halt: in eine kleinen Bucht kurz vor Cavo sahen wir eine Brauerei-Flagge über der Terrasse: zwei Bier waren schnell genommen und mit dem Versprechen, auch dort Abend zu essen, hatte der Wirt gerne zugesagt, dass wir am Strand unterhalb wild campen durften (ist ja eigentlich verboten): war tiptop, nach einem schönen ausgedehnten Spaziergang sind wir dann auch ausgiebig und köstlichst im Ristorante versorgt worden. Unser Zelt war ja nicht weit.
 


hier war es gut, etwas südlich von Cavo, Blick Ri NW


ein wunderbares Frühstück
Donnerstag - zurück nach Follonica  

 

Nach einem schönen Frühstück am Meer ging es dann los. Wir hielten bei bester Sicht auf die Hafeneinfahrt von Piombino zu. Na ja, wieder satter Schiffsverkehr. Immerhin war uns der Wind das erste mal, erwartungsgemäß gut gesonnen. Die Fähre Piombino - Bastia für recht nah und flott an uns vorbei. Die Monsterwellen brachen sich nicht, es einfach stark und weiter ging es. An der Hafeneinfahrt war es dann soweit, ein Schiff nach dem anderen, na prost! Und tatsächlich lagen wir auf Kurs der Fähre von Portoferraio, wir wichen aus, der Dampfer drehte aber in unsere Richtung. Ein scheiß Gefühl, wenn der mit voller Fahrt auf Dich zuhält, letztlich hat er dann doch stärker Ri Hafeneinfahrt gedreht, als ursprünglich angenommen. Etwa 30 m entfernt passierte er uns dann - wieder geile Monsterwellen. Und wir fuhren nun weiter Richtung Follonica:
 
Diesig, der Wind kommt, Ri WNW, Piombino

Piombino ist vom Wasser aus hässlich, Follonica auch. Der Strand dazwischen schreibt sich aber "von und zu".

Wunderbare Pinienwälder, schöner feiner Sand und - wegen der Länge - nicht viel Leute. Der Wind hat wieder schön aufgefrischt aus S und patschnass sind wir sicher und zufrieden am Zeltplatz angekommen. Das Auto war noch da, die Mädels an der Rezeption und in der Kneipe haben Sie uns auch wieder erkannt.

Der Sandstrand ist auch flach: man kann nach dem Paddeln da kilometerweit traumhaft joggen (tut nach dem Paddeln besonders gut) oder auch einfach Spazieren gehen oder die Seele baumeln lassen.

Bei Cavo
Sinnvollerweise sind wir nicht um die Insel ganz herum gefahren, aber durch den Wind war es ganz sicher eine der anstrengensten Touren.

Meine Frau hat bei der Heimkehr wie üblich meine Hände kontrolliert: es war das erste Mal, dass ich mit frischen Schwielen heim kam.

Wunderbar waren jedenfalls die Überfahrten, an Cerboli und Palmaiola vorbei. Auch die Bucht von Portoferraio, auch wenn der Wind so stark war, dass unsere festsitzenden Capie/Hüte nur noch durch den Kinn-Bändel auf dem Kopf geblieben sind. Einmal eine andere Tour: Sonne, Wellen, Wind, Wind, Wind. - Ausgemessen 120 km, von der Arbeit deutlich mehr

Weitere Seekajak-Touren:

Korsika, Calvi - Ajaccio

Kroatien (Kvarner), Rijeka -> Zadar

Sardinien, Olbia - Arbatax    (Ladezeit: viele Bilder)

Follonica - Elba

Ligurien, Genua - La Spezia

Banc d'Arguin / Bassin d'Arcachon

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Eine Woche später bin ich dann für zwei Wochen - wie üblich -  nach Korsika: es war hier dann den kräftige Sturm oder fast durchgehend starker Wind.

Bei etwa 11 Touren hatte es jedes Mal mindestens 1 Meter Wellen, meistens mehr, und Wind und alles was dazugehört., die See kam einfach nicht zur Ruhe. Auch viele andere Seekajaker berichten dieses Jahr ähnlich vom Mittelmeer im Frühjahr. ........und im Augenblick herrscht im Mittelmeer eine Gluthitze: dieses Jahr haben wir in Europa offenbar auch so etwas wie El Niño.


ebd.

bei Cargèse


Elba