Seekajak-Tour: Rijeka - Richtung Zadar
Juni 2005

Manfred Kachler Lumpi, Christian Bährisch Beppo, Kanuverein Nürnberg 

all below satellite photographs copyright protected by NASA (National Aeronautics and Space Administration) http:\\worldwind.arc.nasa.gov

 

Praktisches:

  • Sonnenschutz mitnehmen (Stoff, Klamotten - nicht Creme).

  • Mittag und z.T. nachmittags ist es heiß und es kommt deshalb teilweise knackiger Wind auf.

  • Auch wenn immer gesagt wird, dass Euro überall genommen werden: mit Kuna ist es einfacher.

  • Die Jadrolinjia (Fähren) nehmen auf deren Katamaranen KEINE Boote mit, nur Personen mit Handgepäck. Mit regulären Fähren - weiter unten ist ein Bild - ist es kein Problem, die 5 Meter Schiffe mitzunehmen. Die Inseln sind hervorragend untereinander verbunden. (www.jadrolinija.hr).

  • Das Paddeln um Rijeka ist nicht so der Bringer: weiter südlich anfangen ist besser (z.B. Mali Losinj)

  • Die Umgebung dort ist sehr angenehm, das Wasser warm: das sollte in keiner Weise die Notwendigkeit vergessen lassen, die Rettungsausrüstung mit zu nehmen (Raketen, Rauchsignal, Float, Weste etc. etc.). Es ist immer noch das offene Meer. Die Inseln schützen weniger, als dass sie vielmehr die Winde unberechenbar machen und noch Düseneffekte verursachen

  • Immer genug Trinkwasser mitnehmen, da gibt's außer in Häfen nämlich nichts (wie üblich in weiten Teilen des Mittelmeeres).

  • Neun von zehn persönlichen Kontakten mit kroatischen "Aboriginies" waren überaus freundlich, positiv, gut.

  • Fisch kann man hervorragend essen, das Bier schmeckt auch sehr gut. Der Wein - wir haben nur offenen Weißen getrunken - ist okay.

 

Plan war also, am Samstag nach Rijeka zu fahren, das Auto (bewacht) am Hafen stehen zu lassen, und dann die Woche entlang der Inseln nach Zadar zu paddeln, um mit der Fähre zum Hafen zurück zu fahren.

1.
Wegen Stau sind wir Stunden später angekommen, an dem Tag noch 20 km zu paddeln konnten wir verlöten.

2.
Am Hafen Rijeka ist zum Parken nichts Vertrauen erweckendes, dass man sein Auto ruhigen Gewissens eine Woche stehen lassen kann, schwere Boote slippen ist dort auch schlecht möglich.

3.
Wir entschieden uns, bei Rijeka zu bleiben: östlich ist ein Campingplatz, weit vom Wasser entfernt und an der Hauptstraße: sehr schlecht, außerdem machte der auch noch eine überaus rustikalen Eindruck. Westlich haben wir dann unterhalb von Matulij in Preluk einen Zeltplatz gefunden: nicht optimal, aber als Startpunkt gut. Mit Blick auf Opatija.


        Camping Preluk / aus Ri. Opatja


 

 

1. Etappe, Sonntag, 19.06.05: Matulij/Prelok, bei Opatja - Bucht bei Cres, 50 km

Los ging es: dies Zeltplatz bei Matulij kann als Paddelstartpunkt empfohlen werden: das Auto parkten wir für die Woche dort und das Slippen der schwer beladenen Boote war ein Gedicht. Rein ins glasklare Wasser und erst mal Kurs 190°. Es war früh und glatt. Sau heiß ist es langsam geworden. Und damit hat sich auch der Wind gehoben. Stetig, genau von der Seite. Na ja, kein Problem, trotzdem muss man bei einer steilen, kurzen Windsee von einem halben Meter doch immer ein Auge darauf haben
Einen schönen Strand habe wir dann nach zwei Stunden ausgemacht und sind dann 20 min, eine halbe Stunde hingepaddelt, um fest zu stellen, wie später immer wieder: tja, nur Kiesel. Trotzdem, wir fanden genug Schatten, auch ein Bier im Boot und konnten uns gut erholen.

Weiter ging es, 180°, bis wir uns entschieden, die 6 km Querung nach Cres zu machen. Stehende Mittagshitze an der Stelle, wir machten unweit des Fährhafens Pause in einer unberührten Bucht.

Die heutige Etappe wird lang und mit thermischen Winden war zu rechnen : ein ordentlichen Vesper mit Fisch für beide sollte eine gute Grundlage bilden. Wir fuhren dann weiter, um auf den nächsten 3 Kilometern angenehmen Rückenwind zu haben. Die Küste wurde sehr einsam. Zeigte ein Bild, das uns die ganze Woche begleiten sollte: 3 m hoch vom Meer freigelegter Karst, dann die Macchia. Und weiter ging es.

Beim Landschaftsbild konnte man die Verwandtschaft zu einer Mondlandschaft nicht verleugnen. Zudem frischten die Fallwinde von Backbord kräftig auf. Es fing an,  Kraft zu kosten! Wir fuhren bei eintöniger Landschaft aber wunderschönem (!) Wasser zu. Der Wind wurde stärker. Irgend wie auch interessanter: es traten Wellen auf, die nicht dem aktuellen Wind zuzuordnen waren. Nach einem Kap wurde es klar: wir semmelten volles Rohr in einen granatenharten Wind. Uns war es egal, ob es nur eine lokale Bora war. Tatsächlich mussten wir schnellsten Weges hart unter Land fahren. So etwas, aus heiterem Himmel,  hatte ich noch nicht erlebt... Die Segelyachten fuhren ausnahmslos unter Maschine Richtung Hafen von Cres. Allein der Mast und die Takelage der Schiffe führten unter der Windlast zu einer deutlichen Kränkung - und uns wurde klar: 4 km vor der Hafeneinfahrt zu Cres, wir schaffen das nicht. Gegen den Wind war praktisch kein Vorankommen. Ganz einfach.

Wir fanden eine wunderschöne Bucht, etwa 7 m breit und vom Strand 5 m tief. Ein Gedicht. Bier hatten wir noch genügend, genauso wie Trinkwasser und alles was man braucht. Am nächsten Tag stellte sich heraus, dass das Biwak richtig gut war. Der Zeltplatz von Cres ist grausam groß! Da hätten wir uns nicht wohl gefühlt.


       Biwak vor Cres


 

 

 


       Die Biwak-Bucht

 

 

2. Etappe, Montag, 20.06.05: Bucht bei Cres - Martinšćica, 35 km

Weiter ging es: wir verließen unser Biwak bei glattem Wasser und fuhren nach Cres in die große Bucht. Beim Anblick des riesigen Campingplatzes freuten wir uns über unser zuerst unfreiwilliges Nachlager. So wie wir in den Fischerhafen rein fuhren, sind wir auch wieder raus: außen rum voller Touri-Rummel, nirgends war ein Ort, wo man die Boote hätte festmachen können. Also raus, am Buchtausgang war ein nettes Café, wo wie auch noch kräftig Trinkwasser bunkerten. Bei der 270° Querung der großen Bucht hatten wir das Glück eine Dickschiff-Regatta beobachten zu können. Bei dem üblichen Wind dort war das majestätisch an zu sehen.

Nach dem Kap jedoch ereilte mich ein Missgeschick: mein Kamera bekam Salzwasser ab. Das ist der sichere Tod für elektronische Geräte. Na ja, dann halt mit dem Handy weiter fotografieren.

Sonst änderte sich nicht viel: traumhaftes Wasser, stärker werdender Nachmittagswind, volle Hitze, knallige Sonne, einsame Buchten, Ruhe.

Tatsächlich ermüdet die Hitze und der knackige Seitenwind auf die Dauer aber schon etwas. Nach schönen Pausen fuhren wir dann den Campingplatz von Martinšćica an. Wie in Rijeka schon, hier in der Ortschaft auch: guter Fisch, gutes Bier.


 


        Bucht wenige Kilometer vor Martin
šćica

 


        Bucht auf auf halben Weg von Opatija nach Cres

 

 

3. Etappe, Dienstag, 21.06.05:  Martinšćica- Nerezine, 25 km

Die heute folgende Etappe war durch Gleichförmigkeit geprägt. Bereits nach wenigen Kilometern Richtung Osor erhob sich wieder der Wind. Durch die Hitze so stark, dass wir bald hart unter Land unseren Kurs wählten, um Schutz zu suchen. In Osor suchten wir vergeblich nach einer Kneipe mit Bier in Hafennähe. Nur Zitronen-Limonade gab es, die war aber vom Feinsten.

In Anbetracht der Hitze und des Windes beschlossen wir, nach dem kleinen Kanal, der die Buchten verbindet, den nächsten angenehmen Zeltplatz aufzusuchen: nach kurzer Strecke sahen wir einen Kirchturm. Und der polyglott gebildete Paddler weiß: wo ein Kirchturm ist, ist auch ein Wirtshaus! Und ein schöner Campingplatz dazu.

Nerezine heißt das Kaff und ist total nett: gute und günstige Gaststätten und sonst ab Abend ordentlich was los. Auch der Zeltplatz ist total sympathisch. Es finden sich praktische alle neuen EU-Betrittsländer und Ösis, Deutsche, Italiener, praktisch alles. Voll, gute Stimmung, pico bello sauber. Und wunderschöner Schatten unter Laubbäumen.



       Camping in Nerezine


 

 

4. Etappe, Mittwoch, 22.06.05: Nezerine - Bucht auf Ilovik, 35 km

Nach dem ruhigen Vortag sind wir wieder gestärkt unterwegs. Die Landschaft ist interessanter geworden: wir nähern uns Mali Lošinj. Nach kurzer Zeit erreichen wir - wieder - durch einen kleinen Kanal das Bassin von Mali Lošinj.  Eine pittoreske mediterrane Altstadt tut sich auf. An einem belebten, kleinen Industrie-Hafen mit Schwimmdock und allerlei anderem Zeugs halten wir Kurs auf die ersten Sonnenschirme, die flüssige Erfrischung versprachen. Die Wirtin, ihr Vater, seine Enkeltöchter - alle noch oder bereits in bester Qualität hatten zur Folge, dass wir erst viele Bier und zwei hervorragende Seehechte später losmachten und Richtung Ilovik fuhren:

Zwischen wunderschönen kleinen Inseln hindurch, an unberührter Natur vorbei, manche Segelyacht überholend hielten wir wechselnden Kurs auf Ilovik. Der Wirt hatte uns eine Bucht mit Sandstrand genannt: ein Geheimtipp, zumal es hier praktisch nur Kies gibt. Als wir um sechs Uhr abends endlich um ein Kap herum auf unseren Strand schauen konnten, sahen wir 13 Yachten dort vor Anker liegen. Das enttäuschte uns schon.

Wir landeten am komplett mit Seegras bedeckten strand an und suchten uns mühsam eine Stelle zum Biwakieren. Wir waren uns ziemlich sicher, dass die meisten Boote über nacht wo anders hinfuhren und sei es zum Abendessen in einen Hafen. So war es auch. Nur drei Schiffe blieben da und machten es erträglich. Nachts erlebten wir dann einen blutroten Mondaufgang, der unsere Insel des nächsten Tages beschien, Silba.

 

 


       Sandstrand auf Ilovik



       Weiter hinten gibt es Süßwasser

 

 

5. Etappe, Donnerstag, 23.06.05: Bucht auf Ilovik - Silba - Heimkehr, 20 km

Nach dieser wunderschönen Nacht, einem perfekten Frühstück und mit der von Schnaken zerstochenen Visage meines Sportkameraden Beppos gingen wir um 7 Uhr morgen auf die Überfahrt nach Silba.

So früh ist letztlich die gute Alternative, da man in diesen Breiten nicht so richtig sicher ist, was den Wind angeht, trotz scheinbar zuverlässiger Seewettermeldungen des DWD.

Spiegel glattes Wasser, ganz leichte Dünung, kein Wind, die Luft stabil geschichtet, es war schlicht weg traumhaft. Wir fuhren und fuhren und sind langsam dem Entschluss näher gekommen, dass wir eigentlich das, was wir sehen wollten, gesehen haben, genug gepaddelt sind und wenn wir jetzt heim fahren würden noch ein ganzes Wochenende mit der Familie haben. OK, auf Silba noch zwei kühle Blonde gekauft und mit der Fähre nach Mali Lošinj, um am nächsten Tag um 6 Uhr mit dem Katamaran nach Rijeka zu fahren.

Die Fähre nach Mali jedoch hatte es in sich: ich glaube, unsere kroatischen Freunde haben die Schiffe bereits in den fünfziger Jahren gebraucht bei den Chinesen gekauft. Macht nichts, der Dampfer kommt in seinem zuverlässigen Liniendienst auch an. Mit wunderschönen und abwechslungsreichen Erinnerungen machten wir uns auf den Heimweg: durchs Nachtleben von Mali, mit den Schwierigkeiten, unsere Boote nach Rijeka zu bekommen, auf jeden Fall sicher zurück nach Nürnberg.


        Versorgungstag auf Silba


        Chaos? Nein: perfekte Improvisation

Lumpi

Weitere Seekajak-Touren:

Korsika, Calvi - Ajaccio

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Sardinien, Olbia - Arbatax    (Ladezeit: viele Bilder)

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Banc d'Arguin / Bassin d'Arcachon

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